Letzte Woche war ich Teil einer Paneldiskussion über Roboter. Mit «Roboter: Freund oder Feind der Zukunft?» wurde der Event der British Swiss Chamber of Commerce betitelt und ich habe natürlich die Position der jungen Generationen eingenommen. In diesem Blogpost möchte ich nicht über die Robotertechnik und deren sozioökonomischen Auswirkungen sprechen, sondern ein paar Gedanken zur Generation Z und deren momentanen Ausbildung für die Zukunft festhalten.

Es war eine spannende Diskussion. Mit auf dem Panel waren verschiedene Robotik und Ökonomieexperten: Steve Wyatt, Head of Marketing & Sales und Vice President for Robotics ABB, Helen Oleynikova ETH PhD Student in Robotics und Nicholas David, Head of Society and Innovation at World Economic Forum. Unter der Leitung von Markus Koch (Partner von Deloitte) ging die Diskussion natürlich schnell hinüber zum “Elephant in the Room”: der Einfluss von Robotern auf die zukünftige Beschäftigungsrate. Werden Roboter unsere Jobs wegnehmen? Werden sie uns nur bei einfachen Aufgaben unterstützen? Während die anderen auf sehr technischer Ebene auslegen konnten, wie die Robotik in 5 bis 10 Jahren aussehen wird, welche Implikationen heute schon zu beobachten sind und was dies für uns als Gesellschaft heisst, mit Robotern zusammenzuarbeiten, fokussierte ich mich auf mein Gebiet: die Generation Z und deren Mindset.

Wir hören ständig, dass aufgrund des rasanten technologischen Wandels die “Jungen von heute Jobs ausführen werden, welche es heute noch gar nicht gibt“. Dies konnten wir in den letzten 10-15 Jahren sehr gut beobachten und im gleichen Stil wird es auch weitergehen. Auch im Bereich der Robotik ist dies der Fall. Einerseits werden Robotor eine Vielzahl von Aufgaben erledigen können, welche als die drei D’s bezeichnet werden: dull (langweilig, dumm), dangerous und/oder dirty Jobs. Dies kommt uns natürlich entgegen, denn auf diesen Benefit möchte niemand verzichten. Andererseits muss festgehalten werden, dass durch diesen Benefit auch viele existierende Jobs mit Robotern ersetzt werden. Gewisse kompromisslos, andere teilweise, da neue Aufgaben und Skills gefordert sind. Aus der Podiumsdiskussion lässt sich ableiten, dass gerade letzteres oft der Fall sein wird: Roboter werden die mühsamen Arbeiten übernehmen, Seite an Seite mithelfen, aber andere Fähigkeiten von uns fordern.

Dass diese Entwicklung kommen wird, ist ein Fakt (ABB, 2015). Wer dieser Entwicklung vor allem gegenüberstehen wird, ist die Generation Z. Die Jungen von heute, welche aktuell noch in der Ausbildung stecken. Sie werden im Umgang mit den Möglichkeiten von Robotern kreativ sein müssen, neue Aufgaben meistern und vor allem sicherstellen, dass die Beschäftigungsrate hoch bleibt. Roboter werden nicht einfach die Arbeit für uns erledigen, damit wir uns entspannen können, sondern sie sind dafür da, dass wir uns auf andere Aufgaben fokussieren und dadurch die Produktivität skalieren können.

Fähigkeiten der Zukunft

Es werden also neue Skills, mehr Kreativität und Anpassungsfähigkeit benötigt. Nicht nur im Bereich der Roboter, sondern übrigens auch allgemein. Aufgrund der neuen Arbeitgeberbedürfnissen werden wir in Zukunft einen enormen Fachkräftemangel in den MINT  Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) erleben (Wunsch, 2014, S.85). Ingenieure, Techniker oder Informatiker, vor allem mit tertiärer Ausbildung, werden uns stark fehlen.

Doch genau dort, wo ein solches Mindset geformt werden soll – nämlich in der Schule – sehen wir aktuell sehr wenige Anpassungen im Vergleich zum Ausmass an Veränderungen durch die Technologie und das dadurch resultierende Bedürfnis an anderen Arbeitskräften. Um mit Robotern (physische aber auch digitale Roboter auf einem Computer) umzugehen können, braucht es Personen mit einem guten Verständnis dieser Technik, Logik die hinter der Programmierung und dem Lernverhalten stehen sowie mit viel Kreativität, diese Gehilfen optimal einsetzen zu können. Klar, die Generation Z wird als Digital Native bezeichnet und das stimmt auch. Smartphones, Social Media, Mobile Payment etc. gehört für viele Jugendliche zur Selbstverständlichkeit wie eine Muttersprache. Doch zu verstehen, was bei all diesen Gadgets und Weblösungen dahinter steckt ist eine komplett andere Thematik.

Wenn ich heutzutage mit Jugendlichen spreche, dann denke ich mir, dass dieses digitale Mindset zu wenig ausgereift wird: einen Hauch von Programmierkenntnissen, ein paar Einblicke in die Systematik von Datenbanken oder auf spielerische Art zu überlegen, was es wohl alles für eine funktionierende Webpage braucht wäre sehr hilfreich! Dies muss nicht einmal auf sehr komplexer Ebene passieren, sondern kann anhand von Alltagsgegenständen und -situationen gebraucht werden – mittlerweile ist ja praktisch alles digital.

Fazit

Die Ausbildung, die wir aktuell haben, gehört definitiv nach wie vor zu den besten weltweit, doch der Blick gilt es nach vorne und auf die ganze Schweiz zu richten. Nur weil wir zum Beispiel eine international führende ETH im Lande haben, bedeutet das nicht, dass die ganze Nation nach diesem Standard ausgebildet wird. Ich finde es erstaunlich, dass Berufsschüler zum Beispiel in der Ausbildung zum Metallbauer, Polymechaniker, Schreiner etc. sehr wenig über Robotik und sonstige technische Fähigkeiten hören und lernen. Wenn man dies mit den Bedürfnissen der Wirtschaft und Wissenschaft vergleicht und hört, wie stark Roboter und die Digitalisierung in unsere Arbeitswelt Einzug halten wird, stimmen Angebot und Nachfrage in Zukunft nicht mehr zusammen. Es sind gerade diejenigen Berufsgruppen in der Produktions-, Abfertigungs- oder Baubranche (siehe Video ganz unten als Beispiel), welche zuerst Veränderungen durch Roboter zu spüren bekommen. Sie sind es, welche teilweise ersetzt werden und kreativ sein müssen, neue Jobs um die Roboter herum zu finden und zu bewältigen. Spannend und lohnenswert ist hierbei ein Besuch auf der ETH DFAB Webpage, welche sich in der “digitalen Baukultur” spezialisiert. 

Es wird spannend bleiben, welchen effektiven Impact Roboter auf unseren Alltag und unser Berufsleben haben wird. Abschliessend lässt sich also noch keine klare Antwort geben. Roboter, welche für uns Staubsaugen, den Rasen mähen, uns von A nach B fahren oder für uns kochen, sind definitv unsere Freunde! Diejenigen, welche wir im Arbeitsleben begegnen werden und im schlimmsten Fall unsere Jobs wegnehmen, sind zwar aus meiner Sicht keine Feinde, aber definitiv eine sehr grosse Challenge! Es wäre wünschenswert, wenn wir proaktiv agieren können und nicht mit Verzögerung reagieren müssen.