Während dem ersten Jahr im NEO Network konnte ich, wie im ersten Blog ebenfalls geschildert habe, viele wertvolle Erfahrungen im Bereich Universitätsmarketing sammeln. Unternehmen können über unsere Plattform zu Studenten gelangen und sich als potenzieller, zukünftiger Arbeitgeber präsentieren. Wir wollten mit dieser Initiative und dem neuartigen Ansatz für die Unternehmen, wie auch für die Studenten, einen Nutzen generieren, wie es ihn bisher nicht gegeben hat.

Bei den bisherigen Angeboten, wie sie an der Uni anzutreffen sind, funktioniert das so, dass die Unternehmen ein Lunchreferat buchen und während diesen 20 bis 30 Minuten über ihre Firmenkultur, Karrieremöglichkeiten und verschiedenen Abteilungen sprechen. Was mich dabei am meisten gestört hat, und aus diesem Grund haben wir dieses Projekt auch gestartet, war, dass alle diese Firmenpräsentationen mit den gleichen Versprechen, Floskeln und Visionen ausgestaltet waren. Ausser denjenigen Studenten, welche direkt an einem Praktikum bei diesen Unternehmen interessiert waren, hatte kaum jemand einen Nutzen von diesen Präsentationen. Es wurde nur über sich selbst gesprochen: Wie flexibel die Arbeitszeiten seien, wie optimal die Work-Life-Balance gestaltet ist, wie viel Verantwortung man ab Tag 1 kriegt und und und…. Wer etwas über die Branche erfahren und hören wollte, welchen Challenges sie tagtäglich gegenüberstanden, war meistens enttäuscht.

 

 Mit Floskeln wie “flexible Arbeitszeiten, gute Work-Life-Balance, Verantwortung ab dem ersten Tag…” erarbeiten Sie sich gegenüber anderen Arbeitgebern keinen Zentimeter Vorsprung!

 

Aus meiner Sicht ist dieser “Schein-Approach“ als Employer Branding an den Universitäten und Hochschulen komplett falsch. Geblendet von wunderschönen Webseiten, von unglaublich tollen Arbeitsangebote, duzenden von futuristischen Buzzwords gingen die Studenten mit einem meist unglaubwürdigen Bild dieser Firmen aus den Sälen. Man wusste zwar, wie die Unternehmung aufgebaut ist, aber was emotional und inhaltlich tagtäglich passiert, wusste man nicht. Da Loris und ich uns dermassen darüber aufgeregt haben und enttäuscht wurden, weil wir etwas für die Zukunft mitnehmen wollten, haben wir uns entschlossen, selbst eine Veranstaltungsreihe ins Leben zu rufen, welches sich heute zu einem 200+ Studenten Netzwerk entwickelt hat.

 

5 Tipps

Nachdem wir diverse Events organisieren konnten, möchte ich nun 5 wichtige Punkte für ein erfolgreiches Universitätsmarketing bei den heutigen Studenten festhalten:

  1. Anstatt über die Firmenstruktur und die Rahmenbedingungen zu sprechen, zeigen Sie besser den effektiven Inhalt der Arbeit auf: In welcher Branche sind Sie tätig und wie hat sich diese verändert. Welche Challenges warten auf die Studenten, wenn sie ins Arbeitsleben wechseln? So können sich die Zuhörer und Follower emotional identifizieren!
  2. Videos sind eine sehr attraktive und angenehme Kommunikationsform – auch für eine Livepräsentation. Aber überproduzierte und perfekte Corporate Image Filme wirken meist unglaubwürdiger, als persönliche und unperfekte Videos. Kurze “behind the scenes”-Filme beispielsweise, welche selber mit dem Smartphone produziert wurden, wirken viel authentischer.
  3. Social Media Marketing: viele Firmen setzen auch hier auf übertriebene Glanzbroschüren und Fotos (ähnlich wie bei Punkt 2) anstatt Geschichten erzählen und den Leuten einen Nutzen durch ihren Content zu geben. Schlussendlich möchten die Follower Einblicke hinter die Kulissen haben und / oder etwas dabei lernen können. So entsteht Aufmerksamkeit und Interesse!
  4. Es gibt Unternehmen, die wollen krampfhaft cool wirken. Die richtige Verwendung von aktuellen Hashtags, Apps und aktuellen „Jugendthemen“ entspricht einer Gratwanderung. Entweder ist der Content wirklich gut, lustig und glaubwürdig oder er ist vielleicht schlagfertig, aber peinlich und verkrampft gemacht. Eine kleine Feedback-Gruppe mit Lehrlingen und jungen Personen würde helfen, sich von diesen Fettnäpfchen abzuwenden.
  5. Um den  “War for Talents” zu gewinnen, setzen Firmen häufig auf extreme Anforderungen in den Stellenausschreibungen. Sie denken vielleicht, dies wirke sich positiv und elitär auf den Employer Brand aus. Ich denke, dass dabei viele Talente verloren gehen. Leider werden oft mit der Anforderung “exzellente Noten” sehr clevere Köpfe abgeschreckt oder ausgeschlossen, welche vielleicht nicht gerade einen 5,8 Schnitt haben, aber dafür ein vernetztes und zukunftsorientiertes Denken, was viele Unternehmen gerade suchen und brauchen. Setzen Sie die Messlatte herunter und sortieren Sie zu einem späteren Zeitpunkt. Sie werden erstaunt sein, welche Leute sich bewerben und Ihr Team entscheidend bereichern werden.

 

Yannick Blättler
Inhaber NEOVISO GmbH
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